Final Icon

Der Mensch der Gegenwart wird zu einem digitalen Nomaden. Statt an die engen Räume und starren Definitionen der Vergangenheit gebunden zu sein, durchstreift er die Welt in immer neuen Konstellationen, die sich um ihn als Zentrum organisieren. Diese Lebensweise verlangt nach neuen räumlichen Antworten. Im Konzept des Final Icon sind sie hier geformt.

Nicht das Rechteck, sondern das Dreieck bildet dabei die Grundfigur des Raums des digitalen Nomaden. Sein Habitat ist nicht der Würfel, der mit zahlreichen Objekten gefüllt wird und den Menschen letztlich selbst zum Objekt macht, sondern die Pyramide, in deren gerichteter Perspektive auf die Welt er sich als Zentrum erlebt. Dieser Raum basiert auf einer offenen gleichseitigen Dreiecksfläche mit 5 m Kantenlänge und definiert wird er allein durch drei 2,5 m hohe Säulen, die seine Grenze markieren. Die Nutzung folgt keinem klassischen Funktionsdenken, sondern erwächst aus den grundlegenden Bedürfnissen des Menschen. Tisch, Bett, Türen und Wände erscheinen als Module, die in frei wählbaren und veränderbaren Konstellationen zwischen die Säulen eingefügt werden können. Eine Medienwand als Schnittstelle zum globalen Netz entgrenzt den Raum und öffnet ihn zur Welt.

Das Final Icon umfasst 60 Etagen mit jeweils bis zu 33 Räumen. Durch die freie Konfiguration der Module entstehen daraus räumliche Landschaften – fast ohne rechten Winkel – die sich ausschließlich am Nutzungsanspruch des digitalen Nomaden orientieren und sich mit seinen wechselnden Bedürfnissen fortlaufend transformieren. Ergänzt werden sie durch einen Versorgungsbereich als Rückgrat, in dem Sanitäranlagen, der Erschließungskern und die statischen Hauptstützen zusammengefasst sind.

Im Final Icon sind jeweils 20 Etagen zu drei Raumklammern gebündelt – vertikale Einheiten, die jeweils einer eigenen räumlichen Logik folgen. Innerhalb dieser Klammern werden die statischen Kräfte vorrangig über Raumstützen abgeleitet; zugleich ermöglichen sie hängende Konstruktionen, die in das statische Rückgrat einbinden. So entstehen innerhalb der Raumklammern freie Zonen, in denen größere Gartenflächen ausgebildet werden können.

Die drei Raumklammern sind – entsprechend dem finalen ikonischen Dogma der Gegenwart – horizontal geschichtet. Leichte Drehungen um ihr Rückgrat und Variationen der pyramidalen Grundstruktur erzeugen Vor- und Rücksprünge, die die menschlichen Blickachsen prägen. Am Boden geht das Final Icon in zwei große Pyramiden über, die sich wie Eisschollen aus der Landschaft erheben und diese im Inneren durch große gläserne Freiformen spiegeln.

Das Final Icon verjüngt sich in seiner Masse nach oben und schafft Raum für moderne arkadische Landschaften, die zur Spitze des Turms hin zunehmen. Obwohl es Lasten- und Expressaufzüge gibt, muss, wer sie erreichen will, die 250 Höhenmeter der Treppenanlagen bewältigen. Diese veränderte Erschließungslogik betont das grundlegende Wesensmerkmal des digitalen Nomaden: Wer „on top“ sein will, muss sich das erarbeiten.

Diese Haltung spiegelt die geometrische Perspektive auf das Sein wider, die dem Konzept des Final Icon zugrunde liegt. In ihm ist die Welt in Dreiecke gegliedert, die durch einen Akt punktueller horizontaler Spannung – durch die Position des menschlichen Subjekts – in die Höhe gehoben werden. In den daraus entstehenden Pyramiden manifestieren sich spezifische Perspektiven auf das Sein. In ihnen findet der digitale Nomade sein eigen gestaltetes Dasein. Im Final Icon formt sich so durch ihn die Basis des kommenden Menschen.